Restauration


Historische Bandoneons aus der Zeit bis 1940 befinden sich in sehr unterschiedlichen Erhaltungszuständen.

Einige wenige Instrumente haben die letzten Jahrzehnte ungenutzt ihr Dasein gefristet.
Andere wiederum wurden intensiv gespielt, haben viel erlebt und tragen Spuren von jahrelangem Gebrauch. Manche dieser Bandoneons wurden regelmäßig gewartet, andere notdürftig mit einfachsten Mitteln geflickt und wiederum andere wurden so lange gespielt und nie repariert, bis sie förmlich auseinander fielen.

So unterschiedlich ihre Geschichten sind, so haben sie doch fast immer gemeinsam, dass nach all den Jahren eine sorgfältige Restauration und Stimmung notwendig ist.

Im Hauptfokus steht dabei natürlich immer der Erhaltungszustand und die Qualität der Stimmplatten und Zungen.
Dieser entscheidet im Wesentlichen über den Wert und die voraussichtliche Klangqualität des Bandoneons.
So gilt die Faustregel: Je besser die Stimmplatten, desto höher der Wert des Instruments.

Ein äußerlich gut erhaltenes Bandoneon muss also nicht zwangsläufig hochwertiger sein, als ein abgewetztes, scheinbar etwas runtergekommenes, dafür aber fantastisch klingendes Instrument.

Im Grunde kann man alles an einem Bandoneon restaurieren, oder rekonstruieren.

Einzig die Stimmplatten und Zungen limitieren diese Möglichkeit, da diese (meist durch unsachgemäßes Stimmen) unwiederbringlich beschädigt werden können. Dies bezieht sich nicht auf einzelne, defekte Stimmzungen, sondern auf Instrumente, die beispielsweise durchgängig unter Verwendung von Schleifmaschinen oder Ähnlichem gereinigt bzw. bearbeitet wurden.


Restaurationsergebnis eines der ersten Afred Arnolds mit der Produktionsnummer 24.







Restaurierte Blockmechanik eines ebenfalls sehr alten Bandoneons der Marke Alfred Arnold.

Hier mit kleiner Modifikation der Federführung in der Untermechanik.












Materialien & Arbeitsweise


Ich verwende für meine Arbeiten ausschließlich die hochwertigsten Materialien, wie abgelagerte Tonhölzer, Furniere aus sehr alten Beständen, naturgegerbte Leder, gewebte Filze und verarbeite diese mit Knochen, Haut, oder Hasenleim.


Wenn die Originalknöpfe nicht mehr zu retten sind, ersetze ich diese mit neuen Knöpfen aus exakt den gleichen Materialen und in den gleichen Dimensionen wie die Originalen.










Gereinigte und restaurierte Originalknöpfe.








                                                                                                                                  Neue Knöpfe nach altem Vorbild. 

Der Hebel und die Daumenauflage des Griffs wurden hier mit schwarzem Büffelhorn belegt, um einen Hautkontakt mit dem Nickel des Neusilbers zu vermeiden.







Oberfläche


Die Gehäuseoberflächen versuche ich im Idealfall zu erhalten, da für mich eine über die Jahre gebildete Patina ebenfalls zum Wert des Bandoneons beiträgt und es würdevoll altern lässt.


Sollte dennoch, z.B. wegen Ausbesserungen am Gehäuse, oder aufgrund einer Revision älterer Reparaturen (mit Nitrolack, oder schlecht ausgeführter Schellackpolitur) eine Oberflächenbehandlung notwendig sein, so wird diese nach altem Vorbild mit Schellack als Ballenpolitur durchgeführt.





Gereinigte Originalpolitur.

                                                               Sanfte Auffrischung des alten Lacks.  

Bälge

Alte Originalbälge versuche ich nach Möglichkeit zu erhalten.
Allerdings zeigt sich immer häufiger, dass sich die Fehlerquellen an diesen summieren und altersbedingt immer seltener zu einem befriedigenden Ergebnis führen.


Neue Bälge kann ich in sehr guter Qualität anbieten.
Hinsichtlich der Dichtigkeit, Flexibilität und Verarbeitung stehen diese den alten Bälgen in nichts nach.


Da der Balg wichtiges Gestaltungsmittel bei der Modulation des Klangs ist, kann man einem guten Balg nicht genug Bedeutung beimessen.

In fast allen Bandoneons, die für den südamerikanischen Markt gefertigt wurden, wurde das so genannte Gustav-Marmor-Papier als Schmuckpapier in den Bälgen verwendet. Je nach Produktionszeit unterschied sich dieses Papier in der Helligkeit des Grundtons oder der Sprenkel.

Mit der Reproduktion des alten Gustav-Marmor-Papiers in verschiedenen Rottönen und Grün, kann ich in ebendieser Ästhetik neue Bälge für Bandoneons anbieten – passend zu allen Produktionszeiten

Alternativ biete ich verschiedene, handgefertigte Marmorpapiere an, z.B. von Dirk Lange aus Gorsleben.
Mit diesen individuellen Papieren kann jeder Balg zum Kunstwerk erhoben werden.